Alaska: Nome bis Seward

Wir sitzen sechs Tage in Nome fest. Zeit zur Erholung und ein paar Bootsarbeiten stehen auf dem Programm. Zusammen mit den anderen Seglern sitzen wir einen Südsturm aus und alle beobachten gespannt das weitere Wetter. Es ist sehr dynamisch und weitere Tiefs kündigen sich an. Wir treffen deutsche Goldsucher, die mit den speziellen “Goldsaugerbooten” erfolgreich Gold finden. Wir lernen einiges über den anstrengenden Job, bei dem Taucher vier Stunden lang auf dem Meeresboden mit einem Saugrüssel arbeiten. Wir könnten sogar selber Gold am Strand finden, nachdem uns die Bodenbeschaffenheit mit den verschiedenen Schichten und der Prozess mit einer Pfanne erklärt wird. Das Wetter ist leider zu ungemütlich und die weitere Planung beschäftigt uns sehr, daher gehen wir goldlos aus.



Eine kleine Party mit allen anwesenden NWP-Seglern 2026 und Ella (SY Yeva), die ihre Nordostpassage leider abbrechen musste, ist eine willkommene Abwechslung für alle. Es macht grossen Spass und 12 Personen haben gut Platz im Salon der Aegir.

Die Organisation von Diesel wird ein kleineres Projekt. Die Tankwagen müssen einen geeigneten Tankstutzen für Segelboote organisieren, die Kreditkarten werden teilweise nicht akzeptiert und ein geeigneter Ort für den Tankwagen und Boote muss gefunden werden. Wir nutzen das erste Wetterfenster mit wenig Wind für das Manöver im äusseren Hafen. Mit starkem Schwell legen wir schliesslich an der SY Coro Coro an, die den Anleger am Tankpier knapp geschafft hat. Nix für kleine Boote!

Danach peilen wir St. Lawrence Island an, um dort den nächsten Sturm abzuwettern. Den ersten stärkeren Windstärken hält unser Anker über Nacht Stand, obwohl der Untergrund schlechten Halt bietet. Mit einem Winddreher und erneutem Wind rutscht unser Anker Stück für Stück. Anker hoch und weiter geht es bei einigermassen guten Prognosen. Wir folgen dem Input eines Seglers “West of East” und nehmen die Route entlang der kleinen vulkanischen “Saint” Inseln (St. Mathew, St. Paul, St. George). Als nächsten Stopp haben wir St. Paul Island im Visier. Damit kommen wir unserem Zwischenziel Aleuten, bereits recht nah. Nach mehr als zwei Tagen erreichen wir morgens im Dunkeln St. Paul und fahren in den Hafen ein.

Von der SY Aglaia wissen wir, dass am Schwimmsteg genug Platz für uns ist. Dennoch ist es aufregend, ohne Sicht in den sehr engen und teilweise flachen Hafen zu fahren. Der Ort vermittelt Einfachheit. Wir sehen wenig Menschen. Die erfolgreiche Fischersaison ist vorbei. Die Menschen bereiten sich auf den Winter vor. Boote kommen aus dem Wasser, die Stege werden auch bald abgebaut - was ein Glück, dass wir noch anlegen können! Die russische Vergangenheit ist spürbar mit der russisch-orthodoxen Kirche. Auf dieser Insel ist eine sehr grosse Pelzrobben Kolonie in den Sommermonaten. An verschiedenen Stränden können wir riesige erwachsene Tiere mit sehr vielen Jungtieren beobachten. Die Kleinen sind um ein Vielfaches schneller im Wasser und werden mit der nächsten Welle wieder an Land gespült. Bei einem Besuch in der einzigen Taverne, gemeinsam mit Anne, Hughe, Kirsten und Tommy, treffen wir auf ganz wenig Gäste.

Unsere letzte Etappe in der Beringsee geht nach dem Sturm los. Squalls und eine unruhige und unbequeme Welle prägen den ersten Tag. Am zweiten Tag fahren wir durch den Unimakpass und sind im Pazifik. Andere Segler nehmen den weiter östlich gelegenen Falsepass. Diesen hatten wir zuerst auch im Sinn. Das Timing ist dort allerdings noch schwieriger wegen der starken Strömung und der vorgelagerten Sandbänke. Zudem wäre es eine Durchfahrt in extrem flachem Gewässer entlang einer Bojen Route. Unsere Abenteuer-Luft ist langsam am Ende für dieses Jahr, auch wenn es ein sehr eindrückliches Erlebnis sein soll. Wir wählen die gemächlicher Variante durch den Unimakpass!

Am 21. September, mitten auf der Beringsee, vollenden wir unser 4. Segeljahr. Wer hätte das gedacht, dass wir durch die NWP in den Pazifik kommen. Wir verlassen die unruhige Beringsee und dank eines Hochs zeigt sich uns der Pazifik von seiner besten Seite. Bei herrlichem Wetter sehen wir den aktiven Shimalgin Vulkan mit einer kleinen Rauchwolke.

Humpbackwale springen aus dem Wasser und wir laufen ganz glücklich den grossen Fischer-Hafen von Sand Point an. Ein sicherer Platz für den nächsten Sturm. Sehr nette Leute - ein Fischer schenkt uns einen grossen Oktopus, sonst gibt der Ort nicht viel her. Wir sind erstaunt, wie “einfach” der Supermarkt im Vergleich zu Grönland bestückt ist. Dafür feiern wir Tommy's 25.Geburtstag an Bord der Aglaia mit einem feinen südafrikanischen Curry.

Als nächstes Ziel peilen wir Geographic Harbor an und hoffen dort noch ein paar “dicke” Bären zu sehen, die sich mit den Lachsen den nötigen Winterspeck anfressen. Leider kommen wir an ein paar Fischerbojen vorbei und sind froh nicht über die Schwimmleinen gefahren zu sein. Nach zwei anstrengenden Segeltagen, mit starker Strömung bei Halbwind bis 42 kt in der Shelikof Strait, erreichen wir unser Ziel und sind überwältigt von der traumhaften Landschaft. Das Bassin von Geographic Harbor wird von Vulkanbergen eingerahmt. Viele Otter sind im Wasser unterwegs und unser Wunsch wird erfüllt: Wir sehen zwei Bären bei Ebbe am Strand Muscheln suchen. Das ruhige, super sonnige Wetter mit warmen Temperaturen, die herbstliche Stimmung der Wälder ist wunderbar.


Die nächsten Tiefs sitzen uns aber im Nacken. Daher geht es am nächsten Tag weiter. Wir wollen direkt nach Seward. Allerdings wählen wir den Weg mit der Whale Passage durch Kodiak, um dem Starkwind und “Wind gegen Welle-Situation” auszuweichen. Wegen starker Strömung in der Whalepassage (bis 7kt) und massiv vorhandenem Riesentang und Bullenkelp machen wir einen Ankerstopp und nehmen das richtige Strömungsfenster bei Tageslicht.

Der Kelp ist dafür bekannt, Propeller blockieren zu können. Daher ist uns Tageslicht wichtig. Bei traumhafter Morgenstimmung werden wir mit max. 3.5 kt Strömung schnell durch die Passage geschoben. Im Wasser scheinen viele Fischschwärme unterwegs zu sein. Es plätschert um unser Boot, Schwärme von Möwen und sehr viele Wale - der Name der Passage hat also Programm. Mit dem Kelp haben wir Glück. Wir müssen nur ein paar Mal kleineren Teppichen ausweichen - sicher ist sicher. Mit Motorunterstützung queren wir den Golf von Alaska nach Seward. Einen Liegeplatz haben wir bereits zugewiesen bekommen.


Vor Seward zeigen sich imposante Berge und Gletscher. Man kann den kommenden Winter bereits erahnen, da einige Gipfel bereits eine dünne Schneeschicht haben. Seit langem kommen wir wieder in einen grossen Hafen mit erstaunlich vielen Segelbooten. Unser Segeljahr endet hier. Wir sind glücklich, früher als geplant und ohne grössere Schäden, angekommen zu sein. Die nächsten Wochen sind wir nun damit beschäftigt, Aegir auf den Winter vorzubereiten. Wir haben ein paar Tage sehr gutes sonniges Wetter und kommen gut voran mit den Aussenarbeiten. Aber bis zum Haul-Out wird es uns nicht langweilig werden.


Einen Sonnentag nutzen wir für eine Wanderung auf den Race Point vom Mount Marathon und testen mit den steilen 900 Höhenmetern unsere Seebeine. Muskelkater ist doch etwas Schönes! Mitte November lassen wir Aegir für drei Monate alleine und fliegen nach Europa, um Familie und Freunde zu besuchen. Das 2027 soll dann ein entspanntes Küstensegeln mit viel Besuch an Bord werden. Die Vorfreude darauf ist gross!

_edited.jpg)




Kommentare