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Segeln in den arktischen Frühling

West Greenland, Arsuk Fjord, Ellerslie Anchorage,
West Greenland, Arsuk Fjord, Ellerslie Anchorage,

Am 19. März segeln wir weiter im vierten Jahr. Unsere Reise begann am 21. September 2022, und der Start nach unserer diesjährigen Winterpause ist etwas stressig: Kurz nach der Abfahrt geht der Motoralarm für die Temperatur los. Wir segeln mit unseren Seglerfreunden Stefan und Antje in die nächste Marina und starten den Motor nur kurz. Stefan gibt dem Thermostat ein paar zärtliche Schläge mit dem Hammer. Sie wirken Wunder. Der Kühlkreislauf funktioniert wieder richtig. Nach ein paar Tagen vor Anker segeln wir in Tagesetappen die Küste von Nova Scotia entlang. Nach den vielen Kontakten in Halifax sind wir nun wieder im Modus „Zweisamkeit“.


Halifax Nightlife with Antje & Stefan, SY Tinjac
Halifax Nightlife with Antje & Stefan, SY Tinjac

Schneefälle und kleinere Stürme bestimmen unsere weitere Reise. Es ist ein guter Start, um uns unterwegs wieder mit den Bootsabläufen und dem Energiemanagement vor Anker vertraut zu machen. Die Segelbedingungen sind zwar rau, aber wir sehen sie als gutes Übungsfeld für unser Segeljahr. Keine 100 Seemeilen von Halifax entfernt wachen wir morgens in Liscomb vor Anker auf, still fixiert von einer dünnen Eisschicht. Es kratzt ordentlich am Rumpf, als sich Aegir langsam in ihre Position in den Wind schiebt.


Portage Cove, Nova Scotia
Portage Cove, Nova Scotia
Unexpected obstacle, Sea Ice around Louisbourg
Unexpected obstacle, Sea Ice around Louisbourg

Nach einer Woche erreichen wir Louisbourg. Dabei erleben wir ein unerwartetes Ereignis: Ca. 10 NM vor der Küste treffen wir auf eine lange Meereiszone. Am Horizont sieht es fast wie eine Spiegelung aus. Mit dem Fernglas erkennen wir: Es sind Eisschollen. Wir können in genügend Abstand daran vorbeisegeln und müssen nur auf ein paar größere Growler achten. Das Motto für unser Jahr wird immer deutlicher: Eis bleibt unser Begleiter.


St. Lawrence, friendly Harbour in Newfoundland
St. Lawrence, friendly Harbour in Newfoundland

In Louisbourg treffen wir auf die beiden netten Segler Katy und Jules, die mit ihrem französischen Segelschiff Le Scélérat unterwegs sind. Sie wollen zur Insel St. Pierre, einem französischen Überseegebiet. Jules hat dort für die Sommersaison einen Job als Fischer. Das Wetter und eine neue Eiszone zwingen uns zu einer Pause, die wir nutzen, um das Fort zu erkunden – um diese Jahreszeit ohne Touristen. Von lokalen Fischern kaufen wir einen stattlichen Heilbutt und erhalten die neuesten Eisinformationen. Gemeinsam mit der Le Scélérat verlassen wir Louisbourg und haben Glück: Auf unserer Route gibt es kein Eis.


Icicles en mas
Icicles en mas

Mit unserem Dieselofen haben wir etwas weniger Glück. Nach dem Service stimmen die Einstellungen nicht mehr und er ist anfälliger für Störungen als zuvor. Wir haben somit mit Dieselüberläufen oder Überhitzung zu kämpfen. Dabei haben wir auch noch den Ventilator beschädigt. Wir verzichten also auf die Dienste des Ofens und die Passage nach Neufundland ist für unsere Verhältnisse etwas kälter. Bei Bedarf sorgt nun die Zentralheizung beim Segeln für Wärme. Wir erreichen St. Lawrence sicher und nicht erfroren nach 34 h. Auf Marinetraffic hat man unsere Route verfolgt. Uns erwartet die wundervolle Neubaufländische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Die Fischer machen am Pier Platz für uns und schenken uns Fisch und Elchfleisch. Den Ventilator können wir wieder reparieren und der Ofen läuft auch wieder. Was für ein Osterfest!


Canadien Ice Charts  - Sea ice around Newfoundland
Canadien Ice Charts - Sea ice around Newfoundland

Mit Spannung verfolgen wir die Entwicklung der Eisverhältnisse vor der Küste Kanadas und Grönlands. Im Vergleich zu den Vorjahren ist zu dieser Jahreszeit bereits deutlich mehr Eis unterwegs. Unser geplante Route in Richtung Grönland wird immer wieder modifiziert. Wir bleiben geduldig!


Daily afternoon fog is approaching St. John`s Harbour
Daily afternoon fog is approaching St. John`s Harbour

Bei ungemütlichen Verhältnissen geht es weiter: 3–4 m hohe Wellen schlagen von hinten bei achterlichen Winden mit bis zu 42 Knoten. Auch das sehen wir als gute Lektion für die Seetauglichkeit von uns und Aegir. Nach 15 Stunden erreichen wir im Dunkeln unser Ziel und werfen in einer ruhigen Bucht bei Trepassey im äußersten Süden Neufundlands den Anker. Ausgeruht geht es mit „Champagnersegeln“ weiter. Nach zweieinhalb Wochen erreichen wir ein wichtiges Zwischenziel: St. John’s. Hier stehen die letzten Vorbereitungen für unsere Überfahrt nach Grönland auf dem Programm: Deck klarmachen, Windgenerator reparieren, Einkäufe erledigen und tanken. Außerdem treffen wir noch Bekannte und besuchen Konzerte.


Quidi Vidi - pittoresque village near St. John`s
Quidi Vidi - pittoresque village near St. John`s

Am 18. April ist es soweit: Dann legen wir für die Überfahrt nach Grönland ab. Wir planen ca. acht Tage zu segeln. Die Eiskarten zeigen deutlich, dass ein direkter Weg nicht möglich ist. Wir machen deshalb einen Umweg von 180 NM nach Südosten. Die mittelfristige Wetterprognose kündigt keinen Sturm in unserer Gegend an. Wir haben überwiegend super Raumschotwind. Mit einer schnellen 2,5-m-Welle von schräg hinten ist es leider etwas schaukelig. An der Eiszone treffen wir auf Wale und Delphine. Am dritten Segeltag zeigt das Wetterupdate einen aufkommenden Sturm für Westgrönland an. Das führt dazu, dass wir unseren Plan ändern müssen: Wir wollen die Strecke verkürzen und einen südlicheren Ankerplatz bei Arsuk ansteuern. Dabei riskieren wir eine dichtere Eisbergzone, gewinnen aber einen Tag, um uns vor dem Sturm zu verkriechen.


First Icebergs en route to Greenland
First Icebergs en route to Greenland

Wir lassen den Motor trotz gutem Wind mitlaufen und machen ordentlich Speed. 100 Seemeilen vor Grönland erkennen wir noch im Dunkeln (auf dem Radar) die ersten Eisberge. Wir sind etwas besorgt, da sich laut der zwei Tage alten Eisdaten ein Feld mit Meereis direkt vor unserem Ziel befinden soll. Das Eissfeld ist glücklicherweise verschwunden. Der Nebel weicht der Sonne und wir folgen die letzten Meilen der Fährroute, um sicher an unserem Ankerplatz anzukommen.



Nach 1.008 Seemeilen und gut sechs Tagen erreichen wir erleichtert Arsuk in Grönland. Wir ankern in Fortuna Havn. Am nächsten Tag haben wir leider dort doch kein Glück, als wir den Anker hochziehen. Am Anker hängen eine Kette, zwei Stahlseile und Gewichte. Wir bekommen den Anker mit aller Kraft unserer hydraulischen Ankerwinde an die Wasseroberfläche und Gregor kann die Kette und Seile mit der Flex durchtrennen. Unser Anker ist frei.


Catch of the day...
Catch of the day...

Wir fahren bis ans Ende des Fjords, um uns dort an einem sicheren Platz vor dem Sturm zu platzieren. Immer noch sind die Berge spärlich mit Schnee bedeckt. Die Sonne lässt die Berge und das Wasser strahlen. Wir fühlen uns in dieser Umgebung richtig wohl. Schließlich ankern wir, mit zwei Landleinen gesichert, und verbringen hier die nächsten Tage in Vorfreude auf die wunderbare Natur und die Menschen Grönlands.



Anchorage in Arsuk Fjord
Anchorage in Arsuk Fjord

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