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Zu den Färöer Inseln


Nach 372 Seemeilen und 2.5 Tagen erreichen wir am 26. Mai Tórshavn und verbringen etwas mehr als zwei Wochen auf den Inseln.

Die Überfahrt startet unter Motor. Wir sind nun zu Dritt unterwegs. Unsere Freundin Teresa begleitet uns. Der Parasailer darf am Anfang des Trips einmal kurz hoch, um direkt wieder geborgen zu werden. Der angesagte Schwachwind ist leider eine echte Flaute. Ab dem Nachmittag können wir endlich segeln. Die erste Nacht wird ruppig mit heftiger Welle von der Seite. Wir machen aber gut Fahrt. Nachts erreichen wir das umfangreiche „Magnus Bohrinselgebiet“ nordöstlich der Shetlands. Überall blinken die Türme und die Karte ist gefüllt mit Seezeichen. Einmal umfahren wir eine grössere Ansammlung und zwischen zwei anderen Türmen navigieren wir, nach Funkkontakt, sicher hindurch. Die Nacht bleibt klar und ein wunderbarer früher Sonnenaufgang erfreut Gregor und Teresa bei ihrer Wache. Ein Richtungswechsel bringt etwas Ruhe in die Überfahrt, zumindest bis sich eine Rolle der Grossschot aus der Verankerung löst. Da die Schot durch zwei Rollen läuft, ist ausser dem Schreck nichts passiert .Zum Glück liegen alle losen Teile an Deck und wir können es leicht reparieren. Trotz Check vor der Abfahrt ist man vor so kleinen Überraschungen leider nie ganz sicher. Mit etwas Nebel geht es weiter, aber weit und breit ist kein Schiff auf dem Radar zu sehen.



Zum dritten Tag hin beruhigen sich die Wellen markant und mit guten Raumkurswind segeln wir direkt auf Färöer zu. Vor der Insel Nólsoy beginnt das „Unterwasserkonzert“. Die Strömung ist spürbar und sichtbar. Aegir ist allerdings ein „grosses Mädchen“ und wir schaukeln relativ entspannt zur Hafeneinfahrt. Der Hafen ist gut gefüllt mit grösseren Segelyachten und wir können uns noch einen guten Platz sichern.



Wir wussten bereits vor der Abreise, dass seit Mitte Mai auf der gesamten Inselgruppe ein ausgedehnter Streik herrscht. Die Lebensmittelversorgung ist betroffen und Diesel/Benzin wird nicht mehr an Private vergeben. Hafenarbeiter, Reinigungspersonal, Transportwesen, Gesundheitsversorgung und Kinderbetreuung streiken. Es ist keine Einigung in Sicht und alles scheint länger zu dauern. Die Supermärkte leeren sich von Tag zu Tag. Die Mülleimer quillen leider über und die Möwen verschlimmern das Abfallproblem. Wir erhalten noch einen Leihwagen mit halbvollem Tank und kalkulieren bereits unseren Benzinvorrat vom Dinghy für unsere Inselerkundung ein. Wir sind gut ausgerüstet und daher sehr entspannt bezüglich dieser Streiksituation. Es herrscht insgesamt eine sehr ruhige Atmosphäre auf den Inseln.




Eine Woche Leihwagen erlaubt uns die Inselgruppe zu erkunden. Wir starten mit der Insel Vágar. Das gemischte Wetter stresst uns überhaupt nicht. Mit regenfester Kleidung wandern wir entlang der Klippen und beobachten die ersten Puffins – so schöne Vögel. Wir gehen durch wunderschöne kleine Ortschaften und bestaunen die grasbedeckten Häuser. Auf unserer Rundtour erstehen wir ein grosses Bündel Rhabarber an einem Strassenstand und erfreuen uns an der „Beute“. Wir wären auch Abnehmer von Eiern, aber die gibt es momentan leider nirgends. Auf Eysturoy gehen wir auf den höchsten Berg der Färöer Inseln, Slaettaratindur (880 m). Erfreulicherweise ist der Boden recht trocken, die Sonne schaut sogar hervor und wir kommen gut den steilen Grashang hoch und auch sicher wieder herunter.



In Gjógv schliessen wir noch eine imposante Klippenwanderung an. Das Farbenspiel der Natur wird mit der zunehmenden Sonne am Nachmittag grossartig. Wir staunen, saugen auf und geniessen. Der Nordinsel Kalsoy statten wir einen Besuch mit der Fähre ab. Mythen sind unser Motto für diesen Tag: Der Sage der Robbenfrau begegnen wir in Form einer Statue in Mikladalur und landen am Rand einer beeindruckenden Klippe am Leuchtturm von Kallur und stehen vor dem „Grabstein James Bonds“. Der Tag endet mit dem passenden Film „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“ für uns.



Zum jährlichen Nordinselfest in Klaksvik nehmen wir uns dort ein Appartement für zwei Nächte. Es ist vor allem ein Fest für die Einheimischen und nicht so einfach, sich im Programm zurecht zu finden. Der Grund für unsere Anreise ist die nationale Ruderregatta, über die wir bereits in einem Kurzfilm erfahren haben, ein Hauptprogrammpunkt des Festes (https://www.youtube.com/watch?v=8RedHqnpV50 ). Das Frauenboot aus Tórshavn hat auch dieses Jahr gewonnen.



Ein weiteres Highlight ist eine anspruchsvolle Wanderung auf den dritthöchsten Berg der Färöer - Villingadalsfjall (841m). Der nördlichste Punkt der Färöerinseln liegt auf der Insel Viðoy. Wir nutzen die frühe Sonne und werden beim Aufstieg mit einem wunderbaren Inselpanorama belohnt.




Nach der ersten Woche kommt Regen und ordentlich Wind. Somit bleiben wir erst einmal in Tórshavn, treffen Segler aus Norwegen/Spitzbergen wieder (Dee und Molly von der SY Wings), widmen uns ein paar Bootsarbeiten sowie der Detailplanung für die Weiterreise. Da kein Streikende in Sicht ist und die Versorgungslage sich weiter verschlechtert, wird unsere Mitseglerin Teresa nicht in Tórshavn von Bord gehen und uns nun weiter bis Island begleiten. In Island ist Anfang Juni allerdings der Winter zurückgekehrt. Ein heftiges Tief bringt ordentlich Schnee mit Reisewarnungen auf der Insel. Wir sind gespannt, was uns erwartet.



Vor der endgültigen Abreise segeln wir zur vorgelagerten Insel Nólsoy. Dort bekommen wir noch einmal die wunderbaren Puffins ganz nah zu sehen und machen eine längere Abschlusswanderung - nach fünf Tagen wieder einmal bei herrlicher Sonne. Für unsere Überfahrt nach Island positionieren wir uns anschliessend in Vestmanna auf der Insel Streymoy. Von hier aus nehmen wir das erste gute Wetterfenster Richtung Nordostküste Islands.



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