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Island - über die Nordküste in die Westfjorde



Nach 288 Seemeilen erreichen wir die Ostküste Islands. Nachdem wir zunächst unter Motor etwas Abstand zur Küste der Färöers und dem Windschatten der Berge gewinnen, segeln wir mit zunehmendem Wind sehr gut raumschots nach Island. Eine unangenehme Kreuzwelle steht uns fast die ganze Überfahrt entgegen. Das wunderbare sonnige Wetter mit nächtlichem Tageslicht macht die Fahrt dennoch zu einem echten Genuss. Vor der Küste Island liegt Nebel, der sich dann aber lichtet und sich so eine traumhafte Bergwelt mit Schneegipfel zum Willkommen zeigt.



Die Ankunft in Seydisfjördur läuft problemlos. Wir haben die Zollformalitäten bereits vorher per Mail an die Zollbehörde gesendet und dann nochmals an der 12 Meilen Zone telefonisch mit der Icelandic Coast Guard Kontakt aufgenommen. Man erwartet uns bereits. Als wir im Hafen den Hafenmeister kontaktieren, werden wir auch hier schon empfangen - zwei Männer stehen am Steg parat und nehmen unsere Festmacher entgegen. Kurz darauf kommt der Beamte vom Zoll mit unseren Unterlagen, die er bereits visiert hat. Und alles ohne Besuch an Bord!



Das überschaubare Örtchen ist schnell erkundet und eine schöne Wanderung an den nahegelegenen Hängen zeigt uns die vielfältige Landschaft mit ihren Gesteinen, Bäumen, Pflanzen und natürlich Wasserfällen. Nach den, vor allem grünen, Färöer Inseln gefallen uns diese Kontraste, getoppt von strukturierten Schnee-Bergen, sehr. Hoch erfreut können wir wild wachsenden Rhabarber und Wildkräuter sammeln. Ein herrlicher Rhabarberkuchen und feiner Käutersalat kommen auf denTisch.

Auch hier macht Wiedersehen Freude: Dee und Molly von der SY Wings haben ähnliche Pläne wie wir und wir werden uns sicher nicht das letzte Mal auf Island begegnen. Am Pier erhalten wir das Angebot günstigen Marinediesel zu tanken. Bei unserer Tankgrosse lohnt sich das. Nachdem es auf den Färöer wegen eines umfangreichem Streiks keinen Diesel mehr gab, müssen wir uns nun definitiv keine Sorgen machen, damit weiter zu kommen.



Unsere Mitseglerin Teresa verlässt uns nach sechs Wochen und einer tollen gemeinsamen Zeit. Die nächste Etappe wird uns über die Nordküste Islands bis zu den Westforden bringen. Zuerst segeln wir weiter nach Vopnafjördur. Niedrige Wolken verdecken leider das Panorama. An einer Angelstelle ziehen wir nach wenigen Minuten zwei fette Dorsche heraus und können, kaum angefangen, das Angeln wieder beenden. Wir haben grosse Freude, uns auf diese Art wieder selber zu versorgen. Eine gierige Möwenschar kämpft um die Fischreste. Einen Teil davon heben wir für den Hummerkorb auf, den wir auf Empfehlung eines Isländers vor Vopnafjördur auslegen (Gregor wird sich die fünf Wellhornschnecken schmecken lassen...). Im Fischerort legen wir an einer grossen Betonkaimauer an. Hier werden sonst eher grössere Fischerboote erwartet. Die Wolken lichten sich und die hohen steilen Smjöfjöll (Butterberge) werden sichtbar – wow! Viele «Schaulustige» kommen am Kai in ihren Autos vorbei. Man hält direkt vor der Aegir, aber die Interaktion beschränkt sich maximal auf ein Winken. Keiner steigt aus für einen Schwatz. Das Buschtelefon im Dorf funktioniert allerdings. Beim Besuch im Handarbeitsgeschäft kennt man uns bereits und hier wird auch das Gespräch gesucht. Diesen winzigen Ort – fern der Ringstrasse - haben wir schnell erkundet. Der Rundgang führt uns zum Leuchtturm, wir freuen uns über jede neue Vogelart und geniessen das Strandfeeling an einer kleinen Klippenzone mit Sandstrand. Für Christine ist es ein Highlight, vor der Kulisse einiger Schneeberge ins Wasser zu gehen.



Der nächste Schlag führt uns mit 130 SM direkt nach Husavik. Wir benötigen dafür allerdings zwei Anläufe. Das erste Mal kehren wir kurz nach dem Hafen um, da der Autopilot nicht funktioniert. Wenn auch machbar, wollen wir 24 h Handsteuerung bei den kühlen Temperaturen vermeiden. Die Hydraulikpumpe baut keinen Druck auf das Ruder auf und muss entlüftet werden, was uns im Teamwork – Eine am Steuerrad, Einer im Motorraum – gelingt. Gutes Amwindsegeln gefolgt von ruppiger Welle stehen am nächsten Tag mit funktionierendem Autopiloten auf dem Programm.

Die Willkommenskultur in den Häfen setzt sich auch in Husavik fort. Wir legen an einem alten Holzschiff «Donna Wood» auf Geheiss vom Hafenmeister an. Es herrscht reges Treiben im Hafen durch die Whalewatching Boote. Hier kommen erneut Freunde (Heike & Axel) an Bord. Sie werden die nächsten 14 Tage mit uns segelnd unterwegs sein.



Als erste Etappe wählen wir die Insel Grimsey. Ohne Walbegegnung kommen wir nach einer heftigen Welle dort an. Am nächsten Tag erwartet uns eine wunderbare Inselumrundung zu Fuss bei isländischem Sommerwetter. Puffins wohin das Auge reicht sowie grandiose Klippen mit brütenden Möwen und Lummen. Was ein schöner Ort, um über den Polarkreis zu marschieren.




Für die Weiterfahrt entscheiden wir uns für einen frühen Start. Um 02.00 Uhr nachts geht es los. Wir kreuzen bei null Welle auf und erreichen nach einem entspannten Segeln und wenig Schlaf Siglufjördur. Die ehemalige Heringsstadt hat touristische Anziehungspunkte, ist aber alles andere als überfüllt. Wir freuen uns an der Wanderung am nächsten Tag bei herrlichem Wetter in einem Skigebiet mit ordentlich Restschnee. Wir sehen sogar einen Einheimischen, der noch mit Skitourenski unterwegs ist. Er hat allerdings ein Auto, um bis zur Schneegrenze zu fahren. Wir queren Hänge, begrünt geröllig und auch Schneefelder. Nach ca. 700 Höhenmeter stehen wir auf irgendeinem Gipfel und haben einen traumhaften Blick zu weiteren Bergen und dem Meer.



Bei der nächsten Etappe machen wir einen Angelstopp bei Flaute und sind überwältigt vom Fang. Innerhalb von ein paar Minuten haben wir sieben mega grosse Dorsche an den Angeln. Danach kommt der Wind und wir steuern mehrheitlich im Nebel die Westküste von Island an. Der stabile Wind macht es uns möglich, bereits während der Fahrt die Fische weiter zu verarbeiten. Die Angeln werden bei dieser Fangquote auf jeden Fall erst einmal weggeräumt. Am Ankerplatz erwartet uns die Sonne. Grüne schroffe Hänge rahmen die grosse Bucht ein. Der nächste Tag beginnt mit einem kurzen «Schwumm» in der Nähe der Badeleiter. Der Wind und die Welle lassen eine Aegirumrundung nicht zu. Aber nach einem Dinghyausflug an Land mit Spaziergang entlang der Küste halten wir uns dafür mehrere Stunden in einem traumhaften Pool und Hotpot direkt am Meer auf. Die Einheimischen scheinen hier ihr Wochenende einzuläuten, denn der Pool füllt sich nach und nach. Wir gehen tiefenentspannt zurück an Bord! Mit Sonne und schwachem Südwind kommt am nächsten Tag noch mehr Sommerfeeling auf. Die Ski werden noch etwas tiefer in der Ankerkiste versorgt und das Stand Up Paddleboard kommt zum Einsatz.



Die nächste Segeletappe nach Hesteyrafjördur (90 Meilen) hat einiges an wechselnden Winden und stark variierenden Windstärken zu bieten. Der Start ist wunderbar mit Raumwind und Sonnenschein. An der Nordspitze der Halbinsel Nordstrandir mit dem Kap Horn (ja, wir sind in Island) ändert das Wetter und der Wind dreht heftig um die Nordwestspitze. Die Wellen machen die Steuerung auch nicht gerade einfach. Nach der Umrundung von Skaladulur schläft der Wind abrupt ein, um unerwarteterweise ein paar Seemeilen später wieder auf 25 kt aufzudrehen. Nach 19 Stunden fällt der Anker am Ende des Fjords. Morgens um 04.00 Uhr gibt es ein Ankerbier und wir fallen zufrieden in die Kojen. Es fühlt sich an wie am Ende der Welt. Eine raue karge Landschaft umgibt uns. Die Schneeschmelze ist mit tosenden Wasserfällen im vollen Gange, die Natur explodiert mit ihren Wildpflanzen und Polarfüchse suchen nach Eiern. Auch am Ende der Welt gibt es ein Café und wir geniessen ein Stück Rhabarberkuchen!



Auf dem Weg nach Isafjördur können wir viele Buckelwale beobachten, weiter weg und nah am Schiff tauchen sie ab und zeigen uns ihre beeindruckenden Schwanzflossen. Isafjördur selber ist ein weniger hübsches Kleinstädtchen, das regelmässig von grossen Kreuzfahrtschiffen besucht wird . Wir ankern im Hafenbecken, da der einzige Steg belegt ist. Mit einem Leihwagen erkunden wir von hier aus einen Teil der Westfjörde mit einem obligatorischem Wasserfall (Dynjandi), Polarfuchsmuseum, Seehundbeobachtung und entspannen in dem ein oder anderen Hotpot.




Nach zwei Wochen gemeinsamer Zeit gehen Heikes und Axels Ferien langsam dem Ende zu und sie gehen von Bord. Wir schätzen Besuch sehr auf der Aegir, vor allem wenn es dem Besuch gefällt zu segeln, gemeinsam zu kochen und den Bootsalltag zu erleben. Das Gemeinsame macht Freude. Es ist für uns dann auch wie Ferien. Nun beginnt für uns wieder die Zeit zu Zweit und damit stückweit auch die Zeit der routinierten Abläufe ohne viel Worte, der Planung und der individuellen Zeit für sich. Für uns ist es ein wunderbarer Mix. Wir freuen uns auf weitere Wochen in den südwestlichen Fjorden von Island bevor es weitergeht. Die Eissituation vor Grönland und das Wetter werden es zeigen, wohin wir segeln werden.


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